Von: Achim Beyer [mailto:achim@hannesbeyer.de]
Gesendet: Mittwoch, 25. August 2010 22:38
An: ‘lokales@ruppiner-anzeiger.de’; ‘neuruppin@mazonline.de’
Betreff: Leserbrief /Zigarettenprozess

Opa war Raucher.

In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hat Opa den Tabak in Blumenkästen auf der Terrasse gepflanzt. Die Blätter wurden an Wäscheleinen getrocknet, und wenn alles nicht schnell genug ging, hat Oma sie gebügelt. Die Zeiten, als ich im Geschäft ein Päckchen Zigaretten kaufte sind ganz ganz lange her. Ich sehne mich nicht mal zurück. Meine Lieblingsmarke (Roth-Händle) wurde mit neuen Rezepturen verunstaltet. Sie schmeckt mir nicht mehr. Zigaretten sind sehr sehr teuer geworden.

Mit Gesundheitsschutz hat das nicht das allergeringste zu tun. Auch nicht mit Rohstoffen oder Produktionskosten. Eine der Steuererhöhungen (2000 ?) wurde ausdrücklich den Auslandseinsätzen der Bundeswehr gewidmet. Damals wollte ich vom legalen Feinschnitt zum „Drehen“ auf Schmuggelware umsteigen. Ich weiß noch, dass ich größere Mengen Vorkriegsware gekauft habe. Schließlich haben die Finanzminister auch meinen Tabak als Steuerquelle entdeckt. Meine 200g Dose entpuppte sich als fiese Mogelpackung. Das muss 2007 gewesen sein. Ich wohnte schon in der Drachenburg. Auch das Geld für die Miete wurde knapp. Die Tabakdose hatte die gleiche Größe wie immer. Sie war etwas teurer geworden. Na ja!

Den Betrug merkte ich erst Wochen später: 140 Gramm für ca 200 Zigaretten. Mit Luft aufgepustet. „Ich war tief beleidigt: Für wie dämlich halten die mich eigentlich ?“ Damals bin ich dann aus steuerlichen Gründen auf Pfeifentabak übergewechselt. Sehr gewöhnungsbedürftig, aber es ging. (Inzwischen nicht mehr)

Andere Leidensgenossen und auch die Industrie gingen andere Wege. Erst gab es die „Steckies“ – viel teurer in der Produktion aber billig im Verkauf. Inzwischen rauchen viele die „Negerzigaretten“ (Cigarillos ?????????) Schmeckt grauenhaft! Ich kenne einen Typen, der kauft Negerzigaretten, puhlt die auf um an den Tabak zu gelangen und stopft damit Zigaretten in normalen Hülsen. „Rechnet sich!“ sagt er.

Das Gros der Bevölkerung raucht „Jin Ling“ und kleine Vietnamesen gehen dafür in den Knast. Die internationalen Zigarettenkonzerne verkaufen ihre abgeschriebenen Maschinen nach Polen und der Rohtabak wird auch nicht in den dortigen Wäldern wachsen. Allerdings wird das Zeug unerträglich gestreckt, und so schmeckt es auch. Ich vermute unter den „Leistungsträgern“ dieser unserer Gesellschaft ebensoviele Raucher wie unter den Armen. Sagen wir mal: „ein Päckchen pro Tag“. Beim Ladenpreis für legale Fabrikzigaretten sind das ca 120 Euro im Monat. 1/3 von Hartz IV!

Jin Ling schmeckt mir nicht, aber wenn ihr einen ehrlichen Polen-Reisenden kennt der was von Tabak versteht, sagt mir bitte Bescheid!

Zum Zigarettenprozess will ich eigentlich gar nichts sagen.

Wir müssen uns an Regeln halten. Die müssen erkennbar vernünftig sein. Wer aus Notlagen Profit zieht gehört bestraft.

Achim Beyer/Neuruppin

Noch ein empfehlenswerter Artikel in der taz:

Schelte von Arbeitslosen verschafft Distinktionsgewinn – Erst diffamieren, dann kürzen

„Akku fast leer“ sagt mein Handy und es hat Recht. Die Auswahl an Energiequellen ist für mich drastisch geschrumpft seit ich in Hartz-IV feststecke. Meine Netto-Neuverschuldung lässt sich nicht erhöhen. Haushaltskürzungen sind nach der Stromrechnung unserer Stadtwerke unvermeidlich, sie werden die Lage nicht bessern sondern eher schlimmer machen. Ohne notwendige Investitionen oder wenigstens Instandhaltung nähert sich die Anlage dem Schrottwert.

Der Kühlschrank wird abgeschaltet, soviel ist klar!

Wo soll ich denn sonst sparen? Licht? Medien? Warmes Wasser?

Die Teilzahlungen an den Energieversorger kann ich erst erhöhen wenn die Nachforderungen bezahlt sind.

Von nix kann man nix wegnehmen. Insolvenz ist was für clevere Reiche, und „Tafel“ ist nix für mich!

Käfighaltung ist billiger

10. November 2009

Wer als mündiger Bürger in die Debatte eingreifen und sich zu Wort melden will müsste ja wenigstens Thema und Ort erfahren. Nicht, dass er dann der Diskussion der Parlamentarier beiwohnen könnte, soweit geht die Demokratie nicht, jedenfalls dann, wenn es um Geld geht!

Im heutigen Kreisausschuss “Bau und Vergabe”, ging es um das lästige Asylbewerberheim (nichtöffentlich). Ich habe das eher zufällig erfahren.

Die Parlamentarier haben aber gar nichts mehr zu entscheiden. Alternativen zu der unsäglichen Sammelunterkunft in Treskow wurden nicht erwogen und sind jetzt kurzfristig auch gar nicht möglich. Es gibt Zeitdruck.

Auf meine Anfrage wurde mir mitgeteilt: Sammelunterkünfte sind erheblich billiger. Zahlen können aus Gründen des Datenschutzes nicht genannt werden. Preis- und Kostenanalysen unterliegen erheblichen Gestaltungsspielräumen. Wer schreibt die Gutachten? Welcher Parlamentarier oder sachkundige Einwohner hinterfragt sie und hat die inhaltliche Kompetenz?

Wann werden Hartz-IV-Empfänger in Käfighaltung überführt? Mit welchen Integrationschancen? Oder stehen die sowieso nicht mehr zur Debatte?

Eine Ortsbesichtigung in Treskow ist dringend empfohlen!

Achim Beyer/Neuruppin

Zusammenhänge

29. Oktober 2009

Im Oktober ballen sich in meinem Leben die Ereignisse und Gedenktage. Privates lasse ich hier mal weg.

Am 30. 10. ist Weltspartag. Ich habe nach sparsamster Haushaltsführung noch 1,34 Euro (Spaghettisauce und zwei Bier?) in der Tasche und das Amt für Arbeitsmarkt hat korrekt festgestellt, dass mein Sparbuchguthaben von 5,22 Euro (Schonvermögen) nach sieben Jahren 2,21 Euro Kapitaleinkünfte erzielt hat.
Am 31.10. ist der Tag der Erwerbslosen. Unsere Gewerkschaften pflegten in den vergangenen Jahren eine kostenlose Armenspeisung zu veranstalten. Ich habe stets mit eigenen Aktionen dagegen protestiert (Wir lassen uns nicht abspeisen). Damals hatte ich noch Kraft und Verbündete, die Kräfte schwinden, Kontakte sind abgerissen.
Trotz Konjunkturflaute gibt es neue Stellen. Der schwarz-gelbe Vertrag signalisiert: Über 200 Mitarbeiter des kreislichen Amtes für Arbeitsmarkt werden unbefristet beschäftigt. Amtsleiter Lüdemann kündigt sogar Personalaufstockung an. Man wird Bescheide erlassen, unsinnige Auflagen verfügen und Sanktionen verhängen.
Gut, dass die rosa-rote Landesregierung auch die Zahl der Richter am Sozialgericht erhöht. Die prüfen und verwerfen dann häufig die Entscheidungen des Amtes. Mehr Menschen im Elend = mehr amtliche Verwalter und Betreuer. An dieser Stelle sei auch der Anwälte, Schuldnerberater, Suppenküchenbetreiber, Beschäftigungsgesellschafts-Manager und Bildungsinstitute gedacht deren Konjunkturaussichten so schlecht nicht sind, die in Urlaub fahren, manchmal spenden und im Bio-Laden fair-trade Produkte kaufen.

Man vergleiche:
- die DRK-Villa (Straße des Friedens) mit dem Keller der Kleiderkammer (Fehrbelliner Straße)
- die Residenz des ALV (Krümelkiste) mit dem Tiefgeschoß der Tafel am Bullenwinkel
- das Gehalt ungelernter Fallmanager mit dem eines Hartz-IV- Empfängers.

Vertragsfreiheit macht nur dann Sinn, wenn man auf gleicher Augenhöhe verhandeln kann.

Ich kündige zum nächst möglichen Termin.

Leserbrief: Kultur für Alle!

18. September 2009

Reaktion auf MAZ: „Runder Tisch will Ermäßigungen – Veranstaltungen zum halben Preis“

Liebe Wittstocker, lieber Karl-Heinz,

eine demokratische Gesellschaft steht und fällt damit, dass alle Menschen Zugang zu ihrer Kultur haben, sie begreifen, Anteil haben und sie auch gestalten. Es geht eben keineswegs nur um den vollen Bauch und Suppenküchen. Dafür braucht man keine Demokratie!

Auch hier bei uns in Neuruppin gibt es die Initiative „Kultur für Alle“. Wir haben uns Punk-mäßig auf die Straße gesetzt wenn das Bürgertum zu beliebten und teuren Veranstaltungen gepilgert ist, und dabei auf unsere Forderungen hingewiesen. Wir haben uns in der Stadtverordnetenversammlung empört, dass sechsstellige Beträge für Fontane-Festspiele zur Verfügung stehen, aber ermäßigter Eintritt für Arme nicht möglich ist.

Es besteht kaum Nachfrage versicherte man uns. Woran liegt das? Wer definiert hier eigentlich was Kunst ist? Wahr ist, dass auch unsere Stadtverwaltung angeboten hat, bei Vorspielen der Musikschule und Lesungen in der Stadtbibliothek Konzessionen zu machen.

„Tafel-Besucher“ wollen aber zu Matthias Reim, ins Schwimmbad, zum Fußballspiel usw. Das sind private Veranstalter! Stimmt auch! Aber oft ist die Kommune Vermieter für den Veranstaltungsort. Man könnte also in die Verträge hineinschreiben, dass ein bestimmtes Kontingent verbilligt abgegeben werden muss. Wenigstens unverkaufte Restkarten.

Manche Veranstalter und Veranstaltungsorte sind rein privat. Da hat die Stadtverwaltung nichts zu sagen. Für das Stadtmarketing und auch jeden einzelnen Unternehmer wäre eine Beteiligung an der „Initiative Wittstock ist Kult…“ nur ein Gewinn. Statt unverkaufter Restkarten wenigstens zusätzliche Deckungsbeiträge und ein positives Image. Die Preisvorstellungen von Karl-Heinz sind irrwitzig. Ich plädiere dafür von Bedürftigen je Stunde Veranstaltungsdauer 1,10 zu verlangen (kommt euch diese Zahl bekannt vor?).

Scheinheilig vorgetragene Argumente (dazu noch nichtöffentlich), Billigtickets führen zu Schwarzhandel und Sozialmissbrauch, werfen ein tiefschwarzes Licht auf gutsituierte Volksvertreter. Ihre Angst bei der Premiere nicht dabei sein zu können weil der Pöbel die Plätze besetzt ist wirklich völlig unbegründet.

Es darf nicht sein, dass Menschen in Ghettos leben. Selbst im Feudalismus gab es Sperrsitze oder Stehplätze für hochkarätigste Veranstaltungen und arme begeisterte Menschen konnten daran teilhaben.

MAZ, Runder Tisch und sonstige Medien, lasst uns ein öffentliches Streitgespräch führen. Ladet mich ein!

Achim Beyer/Neuruppin

Erklärt es richtig,

18. September 2009

so, dass auch ich es verstehe !

Wir hatten das Theater schon mal!

In der vergangenen Woche verteilten Achim Behringer und Gerd Klier Erbsensuppe vor der Neuruppiner Tafel. Ich war empört. Können oder dürfen wir unsere Sozialsysteme auf Almosen umstellen? Ich habe ein Protest-Schild gemalt, mit Kreide – anderes war nicht im Hause.

Dann habe ich gedacht, eine örtliche Parteigliederung (der LINKEN) hat sich vergriffen. Das Kreideschild hat mir die helle Hose versaut aber die Sache war es wert. Mein Bilderrahmen musste seither für andere Texte herhalten.

Am Samstag kommen Kirstin Tackmann und Kerstin Kaiser zur Kindertafel. Alle Kinder brauchen ein gutes und gesundes Essen.

Gemeinsam! Nicht im Getto der Bedürftigkeit. Ich werde mein Schild neu malen und immer wieder:

Soziale Rechte statt Almosen!

Endlich mal gewonnen

17. September 2009

Schnürsenkel!

Man hat nicht immer alles was man braucht. Manchmal nicht das Nötigste!

Eine seltsame Allianz hatte sich vor dem Kreistag zusammengefunden: Menschen aus dem Bürgertum, rebellische/kritische Jugendliche, ein Hartz-IV-Veteran und die, um die es eigentlich ging. Flüchtlinge die in der Fremde überleben müssen.

Es ging um viel in dieser Sitzung:

Keine Lebensmittelgutscheine in OPR: Die Würde des Menschen (aller Menschen) ist unantastbar! Wir wollten große Transparente aufhängen um unsere Volksvertreter zu begrüßen. Die waren stundenlang im kreativen MITTENDRIN von Jugendlichen gemalt worden (nicht die Volksvertreter sondern die Transparente). Aber wie aufhängen (nicht die Volksvertreter sondern die Transparente)? Wir haben ja keine Video-Leinwände wie der Landesvater. Schnürsenkel wurden geopfert und zusammengeknotet.

Die demütigenden Gutscheine werden abgeschafft!

Alles ist ein kleines Stück erträglicher seit diesem denkwürdigen Abend. Für die ca 40 Migranten und auch für mich.

Achim Beyer

Roth ärgert sich schwarz

11. September 2009

Artikel in der MAZ (klick hier)

Wasser!

29. August 2009

Das Bild stammt nicht von mir. Der Bürgermeister hat diese Geschichte so ähnlich erzählt.

Der Flüchtling ist ein Mensch. Manche Menschen sind Raucher. Ich auch. Dieser Flüchtling hat keinen Tabak mehr. Sein 40 Euro monatliches Taschengeld ist alle! In Fabrikzigaretten gerechnet wäre der Mann/die Frau wohl über die ersten zehn Tage des Monats gekommen wenn nicht andere Dinge noch dringlicher wären (Telefonieren, Briefmarken, Fahrkarten, usw.)

Es ist also der Zehnte des Monats. Da sind nur noch die erbärmlichen und knapp bemessenen Lebensmittelgutscheine für ein Existenzminimum unter dem Existenzminimum. Tabak darf man dafür nicht kaufen. Unser Flüchtling kauft Mineralwasser. Die Kiste für 2,99 im Angebot. Dazu kommen 6,60 Pfand. Unser Flüchtling hat nicht die Absicht seien Körper zu entschlacken und trinkt auch gern Leitungswasser. Unser Flüchtling will rauchen. Ich auch!

Wenn 12 x 0,7 Liter Mineralwasser im Ausguss gelandet sind kann unser Flüchtling die leeren Flaschen gegen Bargeld eintauschen und ein Päckchen Tabak kaufen. Das ist natürlich insgesamt teurer als für einen durchschnittlich fremdenfeindlichen Bild-Leser.

Die Idee mit dem Pfand-Geld finde ich clever, ich würde es genauso machen.

Fazit: LEBENSMITTELGUTSCHEINE DRANGSALIEREN DIE ÄRMSTEN DER ARMEN. HILFEEMPFÄNGER WERDEN GEOUTET, RASSEN-UND KLASSENHASS VERSCHÄRFEN SICH!

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