Staatsbesuch in Treskow
13. März 2010
An: ‘lokales@ruppiner-anzeiger.de’; ‘maz@online.de’
„Kein weiter so“ tönt es mir in den Ohren. Dann kam da dieser Staatsbesuch in Treskow. Die Bevölkerung wusste natürlich nichts, außer, dass geputzt und aufgehübscht wurde. Die alten DDR-Mauern werden verständnisvoll genickt haben. Kennen sie ja. Ein Freundschaftsbesuch war es wohl nicht – obwohl – aber wessen Freundschaft mit wem? Das Ganze geschah am Dienstag.
Das sind doch offensichtlich Bestrebungen von Hamelow, Schmidt, Grunst & Co das unsägliche Heim in Treskow zu retten – entgegen allen öffentlichen Erklärungen und dem Votum der Gremien!
Ich verlange den Nachweis, welche Maßnahmen unternommen wurden um die Unterbringung von Asylbewerbern in Wohnungen (WGs) zu sondieren und organisieren und zu welchen Ergebnissen sie führten. Ich verlange ferner, dass öffentlich erklärt wird, was der Anlass für diese merkwürdige Betriebsbegehung war und von wem die Initiative dazu ausging.
Sie können meinen Brief gern veröffentlichen, aber vor allem sollten sie recherchieren und den Vorgang öffentlich machen.
Achim Beyer
Lebenslänglich!
14. Januar 2010
Kreis-Sozialausschuß: Es ging um Hartz-IV, nur um Hartz IV. Von über 7000 Hilfeempfängern saß ich als einziger Laie im Publikum. Meine bekannte Frage an die Parlamentarier: „Wer von Ihnen ist Hartz-IV-Empfänger?“ habe ich diesmal nicht gestellt. Warum eigentlich nicht? Lässt die Kraft nach? Ja, sie lässt nach!
400 Jugendliche im Kreis sind in sogenannten u-25 Programmen erfasst. Die Kinder von Verlierern. Es wird mit der Peitsche regiert. (der Sanktionskatalog entstammt Horrorkabinetten). Wer sich fügt darf Spielzeug basteln.
Die gültige Mietrichtlinie, nee, der ganze Vortrag geht von „abstrakter Angemessenheit“ aus.
Zweimal wurde ich in Neuruppin wegsaniert, diesmal das Urteil: Lebenslänglich! Wollte ich dem Ghetto der Drachenburg (26 qm) entfliehen, würde das Amt maximal die alte Miete übernehmen. Ich darf nicht zu viel heizen aber mir wird zunehmend kälter (gefühlte Temperatur). Für Warmwasser haben Hartz-IV-Empfänger monatlich 6,79 Euro. Riecht man das?
Die Presse kam nach der Einwohnerfragestunde. Sie hat mich nicht gehört. Die Parlamentarier haben geschwiegen.
Widerlich, abstoßend, ekelerregend
14. Januar 2010
Dietmar Lenz, der einst umjubelte Chef unserer Stadtwerke hat Suizid begangen. Das ist sehr schlimm.
Ich trauere aufrichtig um jeden verlorenen Menschen. Viel zu viele kenne und kannte ich.
Es gibt keine statistische Leidensfähigkeit. Missbrauchtes Vertrauen oder Ausgrenzung tun weh, besonders wenn es sich um vermeintliche Freunde handelt. In der Physik und im Drama spielt auch die Fallhöhe eine wichtige Rolle. Nach meinen Beobachtungen im langen Stadtwerke-Prozeß gehörten viele auf die Anklagebank, vielleicht das ganze System.
Fast noch schlimmer finde ich Trittbrettfahrer die jetzt ihr Süppchen kochen und auch nicht davor zurückschrecken ehrlich Trauernde für ihre Zwecke zu missbrauchen.
Ausstellung Bernd Weimar
26. November 2009
Leserbrief/Meinung zu Maz 23.11. und Ruppi 25.11.
Ich möchte hier nicht die Kunst von Bernd Weimar würdigen, den selbst und seine Werke ich schätze.
Dass ich nicht zur Vernissage kam sei mir verziehen. Mir fehlen inzwischen angemessene Garderobe und gesellschaftliche Kontakte.
Hier soll ausdrücklich ein Herr Riebenstahl geehrt werden. (Karl-Marx-Str. 90)
Herr Riebenstahl stellt sein leeres Ladenlokal bis zur nächsten Vermietung einem Künstler zur Verfügung und macht so Kunstschaffenden die Begegnung mit dem Publikum möglich und die Innenstadt attraktiver. Es gibt 100te leere Ladenlokale in Neuruppin. Etliche davon in der Bilderbogenpassage.
In einem eigenen Innenstadtkonzept und in Ausschusssitzungen habe ich mehrfach eine solche Zwischennutzung angeregt.
Danke Herr Riebenstahl!
Achim Beyer / Neuruppin
Nasenbären und Stimmvieh
12. November 2009
Worüber soll ich denn abstimmen wenn alternativ in zwei Wochen 10 Wohnungen gefunden und Betreuung organisiert sein müssten? Der Kreis hat die gesetzliche Verantwortung.
Immer wieder bemerke ich, dass mit vermeintlichem Zeitdruck demokratische Diskussionsprozesse ausgehebelt werden. Der 10-jährige Vertrag zum Betrieb des unsäglichen Asylbewerberheimes läuft aus.
Oh Schreck, morgen ist Weihnachten? Überraschung!
Als Abgeordneter würde ich mich fühlen wie ein vorgeführter Nasenbär der auf Kommando nicken soll wenn mir diese Nachricht präsentiert wird und ich über weitere Verträge entscheiden soll. Außer Nasenbären gibt es noch das Stimmvieh! Mündige Bürger konnten gar nicht erfahren welche Probleme da in den nichtöffentlichen Sitzungen der Gremien behandelt wurden, manchmal nicht mal den Verhandlungsort.
Käfighaltung ist billiger
10. November 2009
Wer als mündiger Bürger in die Debatte eingreifen und sich zu Wort melden will müsste ja wenigstens Thema und Ort erfahren. Nicht, dass er dann der Diskussion der Parlamentarier beiwohnen könnte, soweit geht die Demokratie nicht, jedenfalls dann, wenn es um Geld geht!
Im heutigen Kreisausschuss “Bau und Vergabe”, ging es um das lästige Asylbewerberheim (nichtöffentlich). Ich habe das eher zufällig erfahren.
Die Parlamentarier haben aber gar nichts mehr zu entscheiden. Alternativen zu der unsäglichen Sammelunterkunft in Treskow wurden nicht erwogen und sind jetzt kurzfristig auch gar nicht möglich. Es gibt Zeitdruck.
Auf meine Anfrage wurde mir mitgeteilt: Sammelunterkünfte sind erheblich billiger. Zahlen können aus Gründen des Datenschutzes nicht genannt werden. Preis- und Kostenanalysen unterliegen erheblichen Gestaltungsspielräumen. Wer schreibt die Gutachten? Welcher Parlamentarier oder sachkundige Einwohner hinterfragt sie und hat die inhaltliche Kompetenz?
Wann werden Hartz-IV-Empfänger in Käfighaltung überführt? Mit welchen Integrationschancen? Oder stehen die sowieso nicht mehr zur Debatte?
Eine Ortsbesichtigung in Treskow ist dringend empfohlen!
Achim Beyer/Neuruppin
St. Georg
9. November 2009
Die Legende vom Drachentöter kann man glauben oder nicht! Tatsache ist, dass da einige Bürger waren die diesem unsäglichen Schandfleck unserer Gesellschaft vor den Toren Neuruppins den Kampf angesagt haben. Im Namen der Humanität, der Spiritualität und der Caritas.
Sie haben sich engagiert, recherchiert, kluge Veranstaltungen ausgerichtet und um Solidarität gebeten. Aber hier geht es ja auch um Interessen und sehr viel Geld.
Es ist nicht so, dass Neuruppin die kleine Kapelle verkauft hat. Der ganze Komplex St. Georgs-Hospital wurde für sehr lukrative Geschäfte veräußert. Nichtöffentlich – versteht sich. Die Erhaltung der kleinen Kapelle war nur eine kleine Kröte. Wie das bei Grosssanierungen so ist konnten arme Mieter nicht bleiben – Wo sind die jetzt? Die Kapelle ist kein Renditeobjekt. Sie wurde verschenkt. Der neue Stiftungsverein ist ein Tochterunternehmen des Investors (beschränkte Haftung, Zugriff auf Fördertöpfe und Steuerfreiheit) Für ihre Instandsetzung und Erhaltung sollen Spender und Öffentlichkeit sorgen. Das macht das „Wohnen im Denkmal“ noch attraktiver.
Für mich ist der ganze Komplex seines Sinnes beraubt. Noch eine „Disko-Kulturkirche“ oder exclusive „Siechenhauskapelle“ brauchen wir nicht. Vielleicht ist eine verfallene Ruine ja das richtige Symbol
Achim Beyer / Neuruppin
Müll
9. November 2009
Da wo Müll ist stinkt es. Manchmal ist das unvermeidlich. Manchmal nicht. Mit Wertstoffen, manchmal auch mit giftigem Zeug kann man sehr viel Geld verdienen. Deshalb gibt es eine Müll-Mafia. Nun gab es in jüngster Zeit viele Presseberichte über die AWU-OPR. Dazu noch Drohungen der neuen Bundesregierung (MwSt für kommunale Betriebe). Sicher scheint schon jetzt: alles wird teurer und schlechter.
Ich habe mich dann erinnert:Vor einigen Jahren wurden wir genötigt auf kleinere Tonnen umzustellen, sonst wird die Gesamtbelastung höher.
Das habe ich sowieso nie verstanden. Wenn das Auto öfter kommen muß entstehen doch mehr Kosten. Oder nicht? Dann war da noch eine Sache mit Deponiekosten: Die bleiben gleich, egal wie viel angeliefert wird. Wenn also die Bürger Müll vermeiden, die Kosten aber gedeckt werden sollen, erhöht sich der Preis pro Tonne. Dann war da noch die Sache mit den Hartz-IV-Empfängern.
Nebenkosten (nicht etwa Heizkosten) zahlt das Amt anstandslos. Wie viel Müll auch immer. In den Papierkörben am Wall lagern die Kleinrentner ihre Tüten ab. Schließlich der AWU-Prozeß am Amtsgericht. Wer entscheidet über die Auftragsvergabe an ein bestimmtes Unternehmen? Soll ein kommunaler Entsorger Zweigniederlassungen in Osteuropa gründen und wie viele Lustreisen sind erlaubt?
Eigentlich sollte der Prozess im Oktober fortgesetzt werden, aber ich glaube wir sollen die Sache vergessen.
Achim Beyer/ Neuruppin
Mein Leben, meine Mauer
9. November 2009
Viel hatte ich nicht mitbekommen in diesen letzten Jahren und Monaten. Arbeiten, schlafen, arbeiten. Meine große Familie lebte im Westteil Berlins „am Arsch der Welt“ Lehrter Straße, Moabit. Die Gegend ganz nahe an der Mauer konnte man damals auch freundlich nur als Slum bezeichnen. Heute steht da der Hauptbahnhof und auf unserer Grillwiese das Kanzleramt. Ich bin ein geborener Ossi. Mauerbau und Abriss haben mich tief geprägt und erschüttert. Mein Leben war hart, auch im Westen
Am 09. November nachts lenkte ich wie immer noch schlaftrunken mein Auto zum Dienst. Statt gottverlassener Einöde ein Verkehr wie am Ku-Damm zur Rush-Hour. Ich habe an meinen Sinnen gezweifelt. Nach Feierabend versuchte ich über die Grenze zu gehen. Ohne Passierschein.
Alles war sehr unwirklich. In den Wochen danach lebte ich wie in Trance. Ich habe die Orte meiner Kindheit aufgesucht. Zwischen der Schönhauser-Allee in Pankow und Westberlin (2 km entfernt) gab es bizarrere Gegensätze und Zeitsprünge als zwischen Kontinenten.
Dann kamen die Heuschrecken und Versicherungsvertreter. Gebrauchter Mercedes gegen Immobilien. Es war so was wie die Eroberung der neuen Welt oder die ursprüngliche Akkumulation. Auch da wo ich arbeitete tobte das Leben. Übernahmen und Abwicklungen ohne Ende.
Es gibt kein Land meiner Hoffnung. McDonalds und Escada sind überall. Ich bin arm und inzwischen auch alt.
Achim Beyer/Neuruppin
Abgeschreckt
24. September 2009
Leserbrief/Meinung zu RA vom 24.09.2009: Einwurf – Eintrittspreise kosten Zuschauer (Artikel leider nicht online)
Ich gebe es zu, die Sportseiten der Zeitung überschlage ich meist.
Irgendwie ist da was schief gelaufen mit mir und meiner Sozialisation. Das meine ich aufrichtig! Als Hartz-IV Empfänger kann ich mir momentan kein Zeitungsabo leisten. Ich lese im Schaukasten des Verlages. Diesmal aus Versehen die Sportseite. Ein Spiel des HCN. Hohe Eintrittspreise haben Fans abgeschreckt!
Dazu folgende Geschichte: Vor Monaten wollten die Stadtverordneten dem HCN viel Geld zukommen lassen. Es ging um Trainingsmöglichkeiten der Leistungssportler im Karatschi-Sportzentrum. Ich war bei dieser denkwürdigen Sitzung dabei.
Gleichzeitig wurde über Gebühren der Jugendkunstschule verhandelt und mit massiven Erhöhungen gedroht. Dann war da noch mein Anliegen Eintrittskarten für Bedürftige billiger zu machen, aus sozialen Gründen aber auch im Sinne des Stadtmarketing.
Folgendes ist geschehen: Um die Förderung der HCN Leistungssportler möglich zu machen änderten die Stadtverordneten eine Richtlinie (was heißt: ich mache mir Gesetze so wie ich sie jetzt gerade brauche um meinen Willen durchzusetzen). Die Gebühren der Kunstschule wurden moderat erhöht und mein Anliegen erstmals vertagt.
Nun lese ich über die teuren Eintrittspreise beim Meisterspiel, verpasste Chancen Anhänger zu gewinnen (und zu behalten) und halbleere Ränge.